Ouija – Nachricht aus der Totenwelt

Lea, Anni und Sarah finden auf dem Dachboden das Tagebuch eines verstorbenen Jungen und eine Möglichkeit mit ihm Kontakt aufzunehmen. 

Es war Freitag Abend. Lea war allein in ihrem neuen Zuhause. Ihre Eltern waren mit Freunden zum Abendessen verabredet und sollten nicht vor Mitternacht wieder zurück sein. Lea war fünfzehn und ihre Eltern vertrauten darauf, dass sie mit ihren Freundinnen nicht das Haus abreißen würde. Das hat sie ihren Eltern jedenfalls an diesem Abend mehr als einmal sehr, sehr deutlich klargemacht. 

Ihr neues Zuhause war ein altes Haus, das ihre Eltern vor einem Jahr gekauft und restaurieren ließen. Es hat zwei Etagen, einen großen Garten und viele Zimmer. Es war immer noch viel zu tun, aber sie waren trotzdem vor zwei Wochen eingezogen und würden alles weitere alleine in die Hand nehmen können.

Aber für heute Abend war die erste Party angesagt. Sobald ihre Eltern das Haus verlassen hatten, sagte Lea ihren Freundinnen Sarah und Anni bescheid, dass sie vorbeikommen konnten. Sie freute sich auf den Abend, denn endlich würden sie mal wieder Pizza bestellen, einen Film gucken und die ganze Nacht lang über alles mögliche plaudern können. Im Gegensatz zu ihrer alten Wohnung war ihr Zimmer in diesem Haus weit genug von dem ihrer Eltern entfernt und ihr Vater würde sie nicht alle halbe Stunde ermahnen, doch endlich ruhig zu sein.

„Okay, was machen wir heute Abend? Habt ihr schon eine Idee? Ich möchte auf keinen Fall die ganze Nacht vor dem Fernseher verbringen.“, sagte Sarah.
„Euer Haus ist wirklich riesig. Hast Du überhaupt schon alles erkundet? Außerdem: Du weißt hoffentlich, warum es so lange leer gestanden hat oder?“, fragte Anni.
„Du meinst den Fluch, der auf diesem Haus liegt?“ Lea verdrehte dabei die Augen, lachte und schüttelte den Kopf. „Vor fünfzig Jahren hat sich hier ein Mann das Leben genommen. Sein Sohn war verschwunden und die ganze Stadt hatte ihn verdächtig, ihn ermordet zu haben. Meine Eltern haben darüber ausführlich gesprochen, mich gefragt, ob es auch wirklich in Ordnung für mich ist und JA, das ist es, denn niemand von uns glaubt an Geister… im Gegensatz zu anscheinend allen anderen in dieser abergläubischen Nachbarschaft.“

„Deswegen habt ihr das Haus auch so günstig bekommen. Niemand wollte es haben. Niemand wollte den Fluch des alten O’Connor auf sich ziehen.“, sagte Anni, gestikulierte dabei übertrieben mit den Händen und stöhnte wie eine wenig ambitionierte Mitarbeiterin auf einer Geisterbahn. Sarah stupste sie an und lachte. „Na komm, Lea.“, sagte sie. „Führe uns rum und zeige uns den Geist von O’Connor und all die anderen Untoten, die sich hier versteckt halten!“ Sie lachten.

Lea zeigte ihnen das Erdgeschoss. Von dem quadratischen Flur am Eingang führte ein offener Türbogen in das Wohnzimmer, eine weitere Tür führte in das Esszimmer, eine in die Küche und eine in eine geräumige Vorratskammer. Die Veranda erreichte man über die Küche und der Garten war noch wild bewachsen und Bäume und Sträucher wucherten über eine fünfhundert Quadratmeter Fläche, die an einen Wald und ein Rapsfeld grenzte.
„Zeig uns den Keller! Wenn sich hier Zombies versteckt halten, dann dort!“, sagte Sarah gespielt unheilschwanger. „Na gut, kommt mit.“, sagte Lea und zeigte ihnen den Keller.
„Dein Dad hat ihn wirklich wunderbar eingerichtet.“, sagte Anni mit Bewunderung. „So einen Keller hat sich mein Dad auch immer gewünscht. Er plant ihn seit ich denken kann, aber er hat bis jetzt noch nicht damit angefangen.“
Sie standen in einem vollständig eingerichteten Hobbyraum, in dem sich ein Billardtisch, eine Bar, eine bequeme Sofagarnitur und ein breiter Fernseher mit diversen Spielekonsolen befand. Das einzig gruselige an diesem Raum war vielleicht der überlebensgroße TakeThat-Pappaufsteller. 

„Meine Eltern wollten unbedingt beide diesen Raum. Für jeden von uns. Wir können uns aus dem Weg gehen und jeder mit seinen Freunden seine eigenen Partys feiern, wenn wir möchten. Niemand kommt dem anderen dann dabei in die Quere und kann sich aus allem raushalten, wenn er mag. Meine Mom hat gesagt, dass es gut für das Karma wäre, gut für den innerfamiliären Frieden und es verringere die Wahrscheinlichkeit, dass sie sich noch einmal scheiden lassen.“

„Wer es sich leisten kann.“, rutschte es Anni raus und erntete von Lea einen sehr bösen Blick. „In diesem Haus ist überhaupt nichts gruslig!“, sagte Lea schnell, um von ihrer Bemerkung abzulenken. „Ihr habt es einfach wunderschön eingerichtet. Es ist…“ Ein dumpfes Poltern unterbrach sie mitten im Satz. Sarah und Lea hatten es auch gehört. Es schien aus der ersten Etage zu kommen. Alle drei erstarrten und blickten einander an. „Habt ihr eine Katze?“, fragte Sarah und ertappte sich selbst dabei, wie sie flüsterte. „Nein, haben wir nicht.“, sagte Lea. Sie lachte, spürte aber, das sich ein unwohles Gefühl in ihrer Magengegend breit machte.

„Lasst uns nachsehen. Es ist bestimmt kein Einbrecher. Hier hat es in der Stadt seit Jahren keinen Einbruch gegeben. Den letzten, von dem mein Vater nach seinem Dienst erzählt hat, hatte Matthew McKinsey bei seiner Großmutter verübt. Er wollte sie beklauen, um von dem Geld Drogen zu kaufen. Ach, lange Geschichte… armer Mat… Jedenfalls, war es kein Einbrecher und…“ Plock. Da war es wieder. Diesmal lauter. „Kommt mit!“, sagte Lea und ging die Treppe rauf. Sarah und Anni blickten sich einen kurzen Moment lang unsicher an, dann folgten sie ihr. 

„Ich glaube, es kam von oben.“, sagte Sarah, als sie im Hausflur standen und sich umsahen. Plock. Da war es wieder. Sie schauten die Treppe hinauf, blickten wieder einander an, sagten nichts. Lea schluckte schwer, fasste sich ein Herz und ging die Treppe hinauf. „Also ehrlich, Leute, es wird sich kein Zombie im Schlafzimmer meiner Eltern verstecken. Es ist bestimmt die alte Antenne auf dem Dach, die vom Wind irgendwo gegengeschlagen wird.“ Aber Lea glaubte ihren Worten selbst nicht so ganz und der Schauder, der die drei umklammerte, vibrierte in ihren Worten wieder. Sarah und Anni folgten ihr.

Sie schauten im Schlafzimmer ihrer Eltern nach, in ihrem eigenen Zimmer, im Bade- und Gästezimmer, dann in den beiden Büros ihrer Eltern, aber nichts war mehr zu hören und schon gar nichts zu sehen. Sie standen wieder im Flur und blickten einander fragend an. Plock. Da war es wieder und sie starrten angespannt auf die Luke an der Decke des Flurs, die zum Dachboden führte.

„Der Dachboden.“, hauchte Lea. „Was ist mit dem Dachboden? Lasst uns rauf gehen und nachsehen. Hat Dein Vater ihn auch ausgebaut? Hat er sich eine Muckibude da oben eingerichtet, oder eine Bibliothek mit Aquarien?“, fragte Anni halb scherzhaft.
„Nein, der Dachboden ist nicht ausgebaut. Die Dachdecker müssen zuletzt dort oben gewesen sein, um die Schindeln zu erneuern und um das Dach zu dämmen, aber ich kann mich nicht daran erinnern, dass meine Eltern bisher selbst jemals dort oben gewesen wären.“, antwortete Lea.
„Das heißt, dass Du auch nicht dort oben gewesen bist?“, fragte Sarah.
„Nein, bisher nicht.“
„Uuuh, das ist ja aufregend! Dann lasst uns rauf gehen! Wie bekommen wir die Luke auf?“, fragte Sarah.
„Mit dem Stab hier, aber ich weiß nicht. Sollten wir nicht lieber Pizza essen und uns den Film ansehen, anstatt auf dem dreckigen Dachboden herumzukriechen? Denn ich habe keine Lust hier heute Abend noch zu wischen, bevor meine Eltern nach Hause kommen.“ 

Fast noch ehe Lea den Satz zu ende bringen konnte, hatte Anni sich bereits die Stange geschnappt, mit der sie die Dachbodenluke öffnen konnten. Mit lautem Quietschen klappte die Treppe auf und die drei blickten in die dunkle Öffnung. „Du gehst vor!“, sagte Sarah und gab Anni spielerisch einen Schubs.
Anni ging behutsam voran und sie spürte wie ihr Herz ein wenig schneller schlug. „Ist dort oben ein Lichtschalter?“, fragte Sarah, die ihr dich auf den Fersen war.
Lea verdrehte die Augen und folgte ihren Freundinnen. Dabei warf sie einen enttäuschten Blick auf den Staub, der sich langsam auf dem Fußboden ausbreitete. Anni hatte einen Lichtschalter gefunden, knipste ihn an und mattes Licht gab den Blick unter das Dach frei.

„Hier liegt ja noch überall Zeugs!“, stellte Sarah überrascht fest. Das Dach lief spitz zu und von innen war es bereits verkleidet worden, aber es standen tatsächlich noch Kartons und Regale der Vorbesitzer an den Seiten und in den Ecken. „Cool, dann schauen wir doch mal.“, sagte Anni und machte sich gleich daran einen der Kartons zu öffnen. Die Pappe war bereits so sehr von der Zeit zerfressen, dass er dabei halb auseinanderfiel.

„Wir sollten vielleicht nicht einfach die Sachen fremder Leute durchwühlen. Das ist nicht richtig.“, protestierte Lea. „Die Sachen toter fremder Leute warf Sarah ein, worauf Lea sie missbilligend ansah, sie aber gewähren ließ.
„Tut mir leid, aber was soll denn sonst mit dem ganzen Kram passieren.“, sagte Sarah und zuckte mit den Schultern.
„Hey, das ist gruselig. Seht Euch das an.“, rief Anni und zog ein kleines Büchlein aus dem Karton heraus.
„Was ist es?“, fragte Sarah und sie und Lea hockten sich zu ihr.
„Offenbar das Tagebuch eines gewissen Henry.“, sagte Lea und legte es vor sich hin.
“Mein Gott, meint ihr, das hier ist das Tagebuch des verschwundenen Jungen des alten O’Connors?! Hier ist noch etwas! Ein Spiel oder so etwas.”
„Das ist kein Spiel. Das ist ein Ouija.“, sagte Sarah und pustete den Staub von dem Brett. Dann begann sie weiter in der Kiste zu suchen. Anni und Lea sahen sich fragend an, aber schon bald hatte Sarah gefunden, wonach sie Ausschau gehalten hatte.

„Aha, dachte ich es mir. Diese Holzspitze mit dem Vergrößerungsglas in der Mitte gehört dazu. Habt ihr noch nie etwas von dem Spiel gehört?“ Anni und Lea zuckten mit den Achseln. „Es wird in Scéancen verwendet, um Kontakt mit den Toten aufzunehmen. Man bildet einen Kreis und legt die Hände auf den Pfeil und durch Geisterhand wandert der Pfeil dann zu den Buchstaben, Zahlen und Symbolen auf dem Brett, um eine Botschaft zu erhalten.“, erklärte Sarah.
„Und dieser Henry hat es anscheinend sehr ernst damit gemeint.“, sagte Lea, die während Sarahs Ausführungen in dem kleinen Büchlein blätterte.

„Hier steht auf den letzten Seiten: Endlich habe ich einen Weg gefunden, um mit ihr in Verbindung zu treten. Ich konnte sie spüren wie sie meine Hände über das Brett führte. Die Verbindung brach ab, als mein Vater nach Hause kam und mich in meinem Zimmer dabei entdeckte. Er hat mich wieder verprügelt und eine verdammte Schwuchtel genannt. Das Brett hat er in den Kamin geworfen und es verbrannt. Aber am nächsten Morgen, Dad war schon unterwegs und ich war auf dem Weg zu Schule, sah ich das Brett. Unversehrt lag es auf dem Wohnzimmertisch neben dem Kamin. Heute Nacht, wenn Dad auf seiner Sauftour ist, werde ich wieder mit ihr in Verbindung treten und mehr erfahren. Ich muss wissen, wer sie ist.“ 

Lea, Sarah und Anni sahen einander stumm an. „Was steht da weiter drin?“, fragte Sarah. „Nichts, das ist die letzte Eintragung.“
„Vielleicht hat Henry sich einen Spaß erlaubt und sicherlich nur eine kleine gruselige Zeitkapsel für den Finder zurückgelassen.“, erklärte Anni und schnappte sich das Buch aus Leas Händen, die erst protestieren wollte, es ihr dann aber überließ.
„Allerdings“, sagte Anni weiter, „hat er sich ganz schön Mühe gegeben, denn die Eintragungen vorher gehen über mehrere Jahre und sind ganz schön persönlich.“
„Oh Mann“, sagte Sarah, „Mir ist das alles zu unheimlich. Packt den Kram wieder weg und lasst uns runtergehen, bitte.“

„Wir gehen runter“, sagte Lea, „aber der Kram kommt mit. Hey, ihr wolltet doch ein wenig Action und Aufregung. Hier haben wir sie. Ist doch cool. Lasst uns das Brett doch mal ausprobieren.“ Sarah protestierte und auch Anni war von der Idee nicht sonderlich angetan. Trotzdem wollten die beiden sich nicht wie Feiglinge abstellen lassen. Sie gingen gemeinsam hinunter ins Wohnzimmer und fingen an, es passend zu dekorieren. Sie gaben sich die größte Mühe das Wohnzimmer in ein Ambiente zu tauchen, das zu ihrer kleinen Scéance passen würde. Also zündeten sie jede Menge Kerzen und Räucherstäbchen an, positionierten den Couchtisch vor dem lodernden Kaminfeuer, stellten das Brett darauf und setzten sich im Kreis drum herum.
„Hoffentlich kommen meine Eltern nicht früher nach Hause.“, sagte Lea.

„Pssst.“, mahnte Sarah. „Wir stimmen uns jetzt ein. Fasst Euch an den Händen, schließt die Augen und konzentriert Euch.“ Lea und Anni mussten zwar schmunzeln, aber es war auch aufregend und sie nahmen es so ernst wie sie eben konnten. Es war ein Spiel und sie spielten es mit. „Henry, wir, Sarah, Lea und Anni, rufen Dich! Erscheine und sprich zu uns! Was ist mit Dir geschehen? Bist Du hier? Kannst Du uns hören?“ Der Wind schlug gegen die Fensterläden, Autos fuhren an dem Haus vorbei, ein Hund bellte in der Ferne und eine Maus gähnte und lief in ihr Mauseloch. Im Raum hörten sie lediglich ihren eigenen Atem. „Öffnet die Augen und fasst den Pfeil.“, sagte Sarah und alle drei legten ihre Hände auf den hölzernen Pfeil, der in der Mitte des Bretts lag. „Henry, kannst Du uns hö…“ Schlagartig zuckte der Pfeil auf die Felder J A. Den Dreien stockte der Atem. „Okay, wer von Euch war das? Das ist nicht witzig. So soll es doch nicht funktionieren.“, sagte Anni und strafte Sarah und Lea mit ihrem Blick, die sich ihrerseits gegenseitig fragend ansahen. Sarah lachte verunsichert, um wieder etwas Entspannung in die Runde zu bringen. Es misslang ihr. 

„Komm! Setz Dich. Lass uns weitermachen. Komm schon!“, forderte sie Anni auf, die sich nur zögerlich wieder dazu setzte und ihre Hände auf den Pfeil legte. Sie schoben ihn gemeinsam wieder zurück in die Mitte des Bretts.
„Bist Du ein Geist?“, fragte Sarah und konnte sich ein schadenfrohes Grinsen nicht verkneifen, denn das Spiel begann zumindest ihr Spaß zu machen. Wieder zog der Pfeil auf die Felder J A. Auch Anni und Lea grinsten jetzt, denn sie verdächtigten sich gegenseitig den Pfeil zu manipulieren. 

„Wo bist Du?“, fragte Sarah als nächstes. Die drei grinsten, als sich der Pfeil wieder bewegte. Diesmal zu einzelnen Buchstaben. D A C H B O D E N. „Okay, Leute, jetzt ist aber gut. Wer schiebt hier die ganze Zeit?“, fragte Lea. „Ich nicht.“, sagte Anni ernst. „Ich auch nicht.“, sagte Sarah mit einem Blick, der unmissverständlich auch ihre Aufrichtigkeit ausdrücken sollte. Ein dumpfes Poltern erschütterte die Stille. Es kam vom Dachboden. 

„Jetzt pack das Spiel aber weg, Sarah. Ich mag nicht mehr. Wirklich! Ich habe Angst. Das gefällt mir nicht!“, sagte Anni. Sarah und Lea war das Lachen ebenso vergangen. Sie fühlten einen kalten Schauer ihren Rücken runterlaufen und der Raum schien kleiner zu werden. Sie fühlten sich nicht mehr allein in diesem Haus. Irgendetwas, irgendjemand war da.
Plock. Die drei sprangen auf und waren starr vor Schreck. Annies Blick fiel auf das Brett. „Oh, Gott.“, wisperte sie. Die Angst hatte ihre Kehle zugeschnürt. Der Pfeil bewegte sich selbstständig. Die drei standen ums Brett herum und beobachteten mit Entsetzen das unfassbare Geschehen. Sie verfolgten die Bewegung, die einen Satz ergaben. 

L A S S T M I C H  F R E I.

Sarah stürzte sich auf das Brett, packte es und warf es samt Pfeil in das Kaminfeuer. Anni und Lea waren noch starr vor Schreck und nun sahen sie, wie das Brett langsam in Flammen aufging und zu Asche verbrannte. „Das kann nicht wahr sein. Was ist hier passiert? Bitte, sagt mir, dass das nur ein schlimmer Traum ist, okay? Weckt mich bitte auf!“, sagte Lea und hielt Annies Hand fest umklammert. „Das ist kein Traum, Lea. Wir sind alle hier und Henry ist irgendwo dort oben.“ Die Haustür öffnete sich und die Mädchen schrien lauthals auf. Leas Vater schaltete das Licht im Wohnzimmer ein und seine Frau stand ebenso fassungslos wie ihr Mann in der Tür.
„Was geht denn hier vor?!“

***

Lea verschwieg ihren Eltern die unheimlichen Ereignisse und Sarah und Anni hielten es ebenso für besser, niemanden davon etwas zu erzählen. Sie wussten, dass ihnen niemand glauben würde und sie womöglich eher zu einem Therapeuten geschickt würden, anstatt der Sache nachzugehen. Also erzählten sie lediglich, dass sie das Brett auf dem Dachboden gefunden hätten und es ausprobiert haben. Das Brett sei beim Rumtoben im Kamin gelandet. Leas Eltern nahmen es kopfschüttelnd so hin und verbuchten es unter unerklärbares aber durchaus typisches Teenager-Verhalten.

Am nächsten Morgen verabschiedeten sich Leas Eltern zum Einkaufen. „Wir sind in zwei Stunden wieder da! Frühstück steht für Euch in der Küche! Und jetzt kommt mal langsam aus den Federn! Es ist ein herrlicher Tag!“, rief ihre Mutter und sie und ihr Mann verließen das Haus. Lea und Sarah erwachten in Leas Zimmer nach einer langen, fast schlaflosen Nacht. 

„Wo ist Anni?“, fragte Lea und rieb sich den Schlaf aus den Augen. „Bestimmt im Bad… Ich kann immer noch nicht fassen, was da gestern passiert. Es kommt mir vor, wie ein böser Traum.“, sagte Sarah und beide starrten an die Zimmerdecke. „Meinst Du wir haben uns das alles nur eingebildet? Dafür muss es eine Erklärung geben, die nicht mit Geistern zu tun hat. Unsere Fantasie ist mit uns durchgegangen…“
„Und der Pfeil, der sich von alleine über das Brett bewegt hat?! Ich weiß nicht, was ich machen soll. Ich werde in diesem Haus nie wieder ein Auge zu machen können. Ich muss es meinen Eltern sagen.“, sagte Lea und Sarah nickte nachdenklich. „Lass uns Anni abholen und etwas frühstücken. Dann überlegen wir zusammen noch einmal, was wir tun können.“

Lea stimmte zu und sie machten sich auf den Weg, um Anni aus dem Badezimmer abzuholen, wo sie sie vermuteten. Aber dort fanden sie sie nicht. Sie riefen nach ihr, aber sie antwortete nicht. 

„Anni! Das gibt’s doch nicht! Denkst Du sie ist nach Hause gegangen, ohne uns bescheid zu sagen?“, fragte Sarah. „Ruf Sie auf dem Handy an.“ „Das bringt nichts. Ihre Sachen sind doch alle noch bei mir im Zimmer. Ihr Handy liegt auf meinem Schreibtisch. Das ist echt seltsam. Anni!“
Sie riefen weiter nach ihrer Freundin und mit einem Mal verstummte Sarah, als sie im Wohnzimmer waren und ihr Blick auf den Couchtisch fiel. Sie hielt sich mit einer Hand an der Schulter ihrer Freundin fest und deutet mit der anderen auf den Tisch. „Das kann nicht sein! Nein! Das kann doch einfach nicht wahr sein!“, sagte Anni.
Vor ihnen lag das Ouija. Unversehrt, nicht eine angekokelte Stelle. Sarah fing an zu weinen. „Wo ist Anni?“, fragte sie und auch Lea fing an zu weinen. Dann schreckten sie schreiend zurück. Der Pfeil bewegte sich wieder über die Buchstaben: 

B E I  M I R

ENDE

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